TUTTE LE ROSSEDas inoffizielle Ferrari-Kompendium · alle Modelle zum Lernen und Nachschlagen

Geschichte

Von Enzo Ferraris Jugend in Modena über die Scuderia Ferrari bei Alfa Romeo bis zum börsenkotierten Unternehmen von heute.

1898–1919

Ein Junge aus Modena

Enzo Anselmo Ferrari kommt am 18. Februar 1898 in Modena zur Welt. Im Geburtsregister steht allerdings der 20. Februar – der Eintrag erfolgte erst zwei Tage später.

1916 verliert er innert kurzer Zeit seinen Vater und seinen Bruder. Nach dem Ersten Weltkrieg sucht er Arbeit in der jungen Autoindustrie und landet beim kleinen Mailänder Hersteller CMN (Costruzioni Meccaniche Nazionali). Dort sitzt er zum ersten Mal selbst in einem Rennwagen.

  • 1898Geburt in Modena (18. Februar, eingetragen am 20. Februar)
  • 1916Tod von Vater und Bruder
  • ab 1919Arbeit und erste Rennen bei CMN in Mailand
1920–1929

Rennfahrer bei Alfa Romeo

1920 wechselt Enzo Ferrari zu Alfa Romeo – als Rennfahrer und bald auch als Organisator im Hintergrund. 1923 gewinnt er auf dem Circuito del Savio bei Ravenna. Dort begegnet er den Eltern des gefallenen Jagdfliegers Francesco Baracca, der ein springendes Pferd auf seinem Flugzeug trug. Die Mutter schlägt ihm vor, das Pferd als Glücksbringer auf seine Wagen zu setzen: das spätere «Cavallino Rampante».

1924 siegt er bei der Coppa Acerbo in Pescara. Wichtiger als seine eigenen Rennerfolge wird aber sein Talent, die richtigen Leute zusammenzubringen. Am 16. November 1929 gründet er in Modena seinen eigenen Rennstall: die Scuderia Ferrari.

  • 1920Eintritt bei Alfa Romeo
  • 1923Sieg am Circuito del Savio, Begegnung mit der Familie Baracca
  • 1924Sieg bei der Coppa Acerbo
  • 1929Gründung der Scuderia Ferrari (16. November)
1929–1939

Die Scuderia als Rennstall von Alfa Romeo

Auto Avio Costruzioni 815
Auto Avio Costruzioni 815 · Foto: Arnaud 25, CC BY-SA 3.0

Die Scuderia Ferrari baut zunächst keine eigenen Autos, sondern setzt Rennwagen von Alfa Romeo ein. 1932 kommt Sohn Alfredo, genannt «Dino», zur Welt – Enzo beendet darauf seine eigene Fahrerkarriere. Im selben Jahr erscheint bei den 24 Stunden von Spa erstmals das springende Pferd auf den Wagen der Scuderia, auf gelbem Grund: Gelb ist die Farbe der Stadt Modena.

1933 zieht Alfa Romeo sein Werksteam zurück, und die Scuderia wird faktisch zum Werksrennstall. 1935 gelingt Tazio Nuvolari auf dem Nürburgring ein legendärer Sieg gegen die übermächtigen deutschen Silberpfeile.

1938 holt Alfa Romeo den Rennbetrieb unter dem Namen «Alfa Corse» zurück ins Werk. 1939 trennt sich Enzo Ferrari von Alfa Romeo – mit der Auflage, vier Jahre lang keine Rennwagen unter seinem eigenen Namen einzusetzen.

  • 1932Geburt von Dino; das Cavallino erscheint erstmals in Spa
  • 1933Die Scuderia wird Werksrennstall von Alfa Romeo
  • 1935Nuvolari gewinnt auf dem Nürburgring
  • 1938Alfa Corse übernimmt den Rennbetrieb
  • 1939Trennung von Alfa Romeo
▶ Alfa Romeo P3 von 1932 (Chassis 5006) in Laguna Seca, 2009 – mit solchen Wagen fuhr die Scuderia Ferrari in den 1930er-Jahren · Video: Zerk (Youtube username) · CC BY 3.0
1939–1946

Auto Avio Costruzioni

Weil er den Namen Ferrari vorerst nicht verwenden darf, gründet Enzo 1939 in Modena die Firma Auto Avio Costruzioni. Sie baut 1940 zwei Sportwagen mit der schlichten Bezeichnung 815, die bei der Mille Miglia 1940 an den Start gehen – faktisch der erste «Ferrari», auch wenn er nicht so heissen durfte.

1943 verlegt Ferrari den Betrieb von Modena nach Maranello. 1944 wird das Werk bei Bombenangriffen getroffen. Nach Kriegsende ist der Weg frei für Autos mit dem eigenen Namen.

  • 1939Gründung von Auto Avio Costruzioni
  • 1940Zwei AAC 815 starten bei der Mille Miglia
  • 1943Umzug nach Maranello
  • 1944Bombardierung des Werks
1947–1959

Der erste Ferrari

Ferrari 125 S
Ferrari 125 S · Foto: Christine und Hagen Graf from Fitou, France, CC BY 2.0

Am 12. März 1947 startet Enzo Ferrari den Motor des ersten Wagens, der seinen Namen trägt: des 125 S mit einem V12 von nur 1,5 Litern Hubraum. Am 11. Mai 1947 gibt der Wagen mit Franco Cortese in Piacenza sein Renndebüt, noch im selben Jahr gewinnt Cortese den Grossen Preis von Rom – der erste Sieg eines Ferrari.

Dann geht es Schlag auf Schlag: 1949 der erste Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, 1950 das Debüt in der neuen Formel-1-Weltmeisterschaft in Monaco, 1951 der erste WM-Sieg durch José Froilán González in Silverstone. 1952 und 1953 wird Alberto Ascari Weltmeister.

Die Strassenwagen dienen in dieser Zeit vor allem dazu, den Rennsport zu finanzieren. Privat trifft Enzo ein schwerer Schlag: 1956 stirbt sein Sohn Dino an Muskeldystrophie. 1957 verunglückt Alfonso de Portago bei der Mille Miglia tödlich – das Ende des berühmten Strassenrennens. 1958 holt Mike Hawthorn den nächsten WM-Titel.

  • 1947Erster Ferrari (125 S), erstes Rennen, erster Sieg
  • 1949Erster Sieg in Le Mans
  • 1950Formel-1-Debüt in Monaco
  • 1951Erster Formel-1-Sieg (González, Silverstone)
  • 1952/53Alberto Ascari Weltmeister
  • 1956Tod von Dino Ferrari
  • 1958Mike Hawthorn Weltmeister
1960–1969

GTO, Le Mans und der Einstieg von Fiat

Ferrari 250 GTO
Ferrari 250 GTO · Foto: MrWalkr, CC BY-SA 4.0

1960 wird das Unternehmen zur Aktiengesellschaft SEFAC. 1961 gewinnt Phil Hill die Weltmeisterschaft – doch Ende Jahr verlassen mehrere führende Ingenieure, darunter Carlo Chiti und Giotto Bizzarrini, im Streit die Firma. Trotzdem entsteht 1962 mit dem 250 GTO eines der berühmtesten Autos überhaupt.

1963 verhandelt Ford über eine Übernahme, die Gespräche scheitern. Ford baut daraufhin den GT40, um Ferrari in Le Mans zu schlagen. 1964 wird John Surtees Weltmeister, 1965 gewinnt Ferrari noch einmal in Le Mans – es bleibt der letzte Gesamtsieg bis 2023.

Rennsport auf allen Fronten ist teuer. 1969 steigt deshalb Fiat mit 50 Prozent bei Ferrari ein.

  • 1960Umwandlung in die Aktiengesellschaft SEFAC
  • 1961Phil Hill Weltmeister; Auszug führender Ingenieure
  • 1962250 GTO
  • 1963Übernahmegespräche mit Ford scheitern
  • 1964John Surtees Weltmeister
  • 1965Letzter Le-Mans-Gesamtsieg bis 2023
  • 1969Fiat übernimmt 50 Prozent
1970–1988

Die letzten Jahre des Commendatore

Ferrari F40
Ferrari F40 · Foto: Will ainsworth, CC BY-SA 3.0

In der Formel 1 beginnt mit Niki Lauda eine erfolgreiche Zeit: Weltmeister 1975 und 1977, dazu 1979 der Titel für Jody Scheckter. 1982 und 1983 gewinnt Ferrari die Konstrukteurswertung, verliert 1982 aber Gilles Villeneuve bei einem tödlichen Unfall.

Auf der Strasse prägen der Testarossa und der 288 GTO (beide 1984) das Jahrzehnt. 1987 erscheint der F40 – der letzte Strassenwagen, der noch unter Enzo Ferraris Aufsicht entsteht.

Am 14. August 1988 stirbt Enzo Ferrari mit 90 Jahren. Fiat erhöht danach seinen Anteil auf 90 Prozent, die restlichen 10 Prozent hält sein Sohn Piero Ferrari.

  • 1975Niki Lauda Weltmeister
  • 1977Zweiter Titel für Lauda
  • 1979Jody Scheckter Weltmeister
  • 1984Testarossa und 288 GTO
  • 1987F40
  • 1988Tod von Enzo Ferrari (14. August)
1989–2014

Montezemolo, Todt und Schumacher

Ferrari F2004 / F2004M
Ferrari F2004 / F2004M · Foto: Rick Dikeman, CC BY-SA 3.0

1991 wird Luca di Montezemolo Präsident, 1993 kommt Jean Todt als Teamchef, 1996 Michael Schumacher als Fahrer. Der Aufbau zahlt sich aus: Von 2000 bis 2004 wird Schumacher fünfmal in Folge Weltmeister.

2007 holt Kimi Räikkönen den Fahrertitel, 2008 gewinnt Ferrari die Konstrukteurswertung. Insgesamt zählen die Quellen 15 Fahrer- und 16 Konstrukteurstitel – mehr als jedes andere Team.

Bei den Strassenwagen setzen der Enzo (2002) und der LaFerrari (2013), der erste Hybrid der Marke, die Massstäbe. 2014 verlässt Montezemolo das Unternehmen, Sergio Marchionne übernimmt.

  • 1991Luca di Montezemolo wird Präsident
  • 1993Jean Todt wird Teamchef
  • 1996Michael Schumacher kommt zu Ferrari
  • 2000–2004Fünf Fahrertitel in Folge
  • 2007Kimi Räikkönen Weltmeister
  • 2008Konstrukteurstitel
  • 2013LaFerrari, der erste Hybrid
  • 2014Sergio Marchionne übernimmt
2015–heute

Börse, Hybrid und Elektro

Ferrari 499P
Ferrari 499P · Foto: Mickael Le rouzic, CC BY 2.0

Im Oktober 2015 geht Ferrari in New York an die Börse, Anfang 2016 wird die Firma vom Fiat-Chrysler-Konzern abgespalten und ist seither eigenständig. 2018 übernehmen John Elkann als Präsident und Louis Camilleri als Chef, 2021 folgt Benedetto Vigna an der Spitze.

Technisch beginnt ein neues Kapitel: Der SF90 Stradale (2019) ist der erste Plug-in-Hybrid in Serie, der Purosangue der erste Viertürer, und 2026 erscheint mit dem Luce der erste rein elektrische Ferrari.

Im Rennsport kehrt Ferrari 2023 in die Topklasse von Le Mans zurück und gewinnt mit dem 499P auf Anhieb – der erste Gesamtsieg seit 1965. 2024 und 2025 folgen zwei weitere Siege. In der Formel 1 fährt seit 2025 Lewis Hamilton an der Seite von Charles Leclerc.

  • 2015Börsengang in New York
  • 2016Abspaltung von Fiat Chrysler
  • 2019SF90 Stradale, erster Plug-in-Hybrid
  • 2021Benedetto Vigna wird Chef
  • 2023Le-Mans-Sieg mit dem 499P
  • 2025Lewis Hamilton fährt für Ferrari
  • 2026Luce, der erste Elektro-Ferrari